CREDITS Info: Jewelcase, Booklet (4p)
Musicians: Tikki Nagual, Giuseppe Tonal, Electronic Body Confusion
Mastering: Giuseppe Tonal
Artwork: Geneviéve Pasquier, Tikki Nagual

UMB004
TONAL Y NAGUAL: THE UNSEEN DESERTS

Electronica / Intelligent Pop / Rock´ N TRonics

TRACKLIST
01.Molto Lento
02.The End
03.We Are
04.Broken
05.This Crime
06.My Girlfriend Is A Car
07.Chrome
08.Life Imbalanced
09.Skeleton People
10.Saddest Day
11.World´s Got The Blues
12.Deka Danza!
13.Yesterday´s Lightning
14.Ashen Winds
15.Mein Mädchen Ist Ein Auto
16.Broken (Electronic Body Confusion Remix)

Everybody knows how catchy harmonies have to sound, TONAL Y NAGUAL know why they avoid them. Their music stands beyond the usual listening habits. It deliberately jumps from one mood to another, swinging bravely between spheres and rhytm. Their sound incorporates elements from Anarcho-Industrial to folkloristic Ambient, which is said to be reminiscent of COIL.

Every single piece of this acoustic bag of wonders is an experience, each clear melody a misunderstanding.

  





REVIEWS
An Tonal Y Nagual aus dem schönen konservativen Bayern scheiden sich seit ihrem Auftauchen an der Oberfläche die Geschmäcker, weshalb in Foren und auf privater Ebene zum Teil hitzige Diskussionen über sie entbrennen! Die Künstler bzw. Irren (Bitte wahlweise einsetzen bzw. ankreuzen – Danke!) hinter Tonal Y Nagual Mad Moses, Giuseppe Tonal und Tikki Nagual “wirbeln” ansonsten noch bei Jägerblut, The Musickwreckers & UMBkolletif mit. Vor diesem Debütwerk “The Unseen Deserts” (2007) erschien im Jahre 2006 eine EP, welche mir bisher nicht zu Ohren kam, weshalb meine Tonal Y Nagual Exkursionen mit diesem Oeuvre und einigen Samplerbeiträgen einsetzen bzw. beginnen.

Das Ablegen von Tonal Y Nagual in eine “Genreschublade” (sofern man dies möchte), gelingt ausschließlich nur über die Suche musikalischer Verwandter, die mit Sicherheit im Old School Industrial (Bitte keine Verwechslung mit dem neumodischem Kram, der gerade die Tanzflächen der Gothicpaläste füllt!) ihre Heimat und Wurzeln haben. Im Besonderen die legendären Coil (England) und die Solopfade (1962 – 2004) von John Balance dürften näherungsweise den zu vernehmenden Sound von Tonal Y Nagual treffen. Einige Damen und Herren würden Tonal Y Nagual bestimmt in die Noiseecke abschieben, aber dafür weisen sie zu viel Rhythmik und zu klare Strukturen (Melodieführung) innerhalb ihrer einzelnen Tondokumente auf. Die Protagonisten offerieren auf “The Unseen Deserts” keinen klanglichen Bombast sondern überzeugen durchgängig mit feinem Minimalismus. Im Endeffekt besteht “The Unseen Deserts” aus maschinell erzeugten Konstruktionen (Eine Melange aus Industrial, Drum And Bass, Elektro usw.), einfachen Gitarrenarrangements, Blechgebläse und verzerrten Gesangsparts. Diejenigen, die sich für experimentierfreudige Oeuvres begeistern können und der stampfsinnigen Normalität entfliehen möchten, bekommen mit Tracks auf “The Unseen Deserts” ein Schmankerl an die Hand. Aus diesem Opus einen wirklich Anspieltipp herauszukristallisieren zu wollen, käme der Suche einer Stecknadel im Heuhaufen gleich, deshalb am Besten die CD in einem Hördurchgang ohne jegliches “Spulen” genießen.

Inhaltlich präsentiert “The Unseen Deserts” ein Spiegelbild der momentanen modernen Gesellschaft, die bestimmt nicht nur den Machern hinter Tonal Y Nagual missfällt. Diese dargebotene Einstellung vermischen sie mit einer großen Portion Ironie, weshalb Tonal Y Nagual leicht abgedreht, aber sehr sympathisch rüberkommen. Hier ein Auszug aus dem Text zu ‘Skeleton People’, der deutlich ihre Gedankengänge zutage fördern:

[...]
Summer in the city
Madness drives around
In a car without wheels
And cracking bones make sound

Summer in the city
People all around
The heat is killing me
I’m nearly falling down

and skeleton people…

Individuen, welche mit viel Humor durchs Leben wandeln, müssen Tonal Y Nagual unbedingt mal antesten. Hingegen “Scheuklappenträger”, welche ausschließlich festgezurrte Musiktypen konsumieren, können die “Combo” von ihrer Einkaufsliste streichen!

Fazit: Fernab von Mehrheitspfaden bewegen sich Tonal Y Nagual auf ihren minimalistischen Ausflügen, die im Besonderen Persönlichkeiten beglücken dürften, die “open-minded” durchs Leben stolzieren. Bei Tonal Y Nagual trifft definitiv der Satz zu: “Entweder Du liebst sie oder hasst sie!” – zu freigeistig erscheint “The Unseen Deserts”, das zwar oberflächlich im Old School Industrial ankert, aber untergründig viele Facetten bzw. Richtung ausstrahlt.

RaF

source: Kulturterrorismus



Let's go oTonal Nagualn safari. Tonal Y Nagual create what I suppose you'd call world-industrial music (have I just invented a genre here? I really must stop doing that) which seems to be influenced by the wind blowing over Tibetan mountain passes and the steaming, bubbling swamps of the Everglades as much as any musical connections, or indeed the hi-tech urban-everything notions that conventionally underpin the industrial genre. This album is full of flavours and atmospheres, textures and senses, but just to allay any suspicions that the band are musical eggheads on a backpacking holiday, they'll casually throw in a song called 'My Girlfriend Is A Car', which sounds like one of those whacko-electro numbers that Daniel Miller would release on Mute Records in the early days, in the guise of an imaginary band. Actually, you could indeed play this number up against 'Warm Leatherette' and the two songs would fit together uncannily neatly. There's an idea for any DJs with a dancefloor deathwish who may be reading this. Tonal Y Nagual's sonic explorations certainly aren't conventional, but they keep their beats reassuringly regular, so even in their most out-there moments there's something to latch on to. In a way, this album could be the natural successor to Brian Eno and David Byrne's My Life In The Bush Of Ghosts - it has the same kind of compelling strangeness and hinted-at humour. Weird, but really rather wonderful.

source: Uncle Nemesis



Judged by the cover art on debut full-length album by Tonal Y Nagual, the musical expression from the German project would be related to ethnic music culture. Though this is not the case. The music is harsh industrial rock assisted by some angry vocals. The bombastic rhythms being part of the noisy industrial- rock combined with the manifesting vocals give associations back to bands like Nitzer Ebb and Treponem Pal. There is a nice ritual atmosphere upon the album not too far away from Einstürzende Neubauten. Towards the end of the album, the track "Ashen winds" makes a radical in expression towards a more melancholic and sorrowful guitar-based folkloric ambient added some deeply emotional vocals reminiscent of Rober Rich's side-project Amoeba. Interesting album.

source: Vital Weekly



Das Duo Tonal Y Nagual, bestehend aus Giuseppe Tonal und Tikki Nagual, kann seine Zugehörigkeit zum UMB Kollektiv nicht verleugnen. Mit ihrer trockenen und bizarren Mischung aus Industrial, Electronic, Folklore und weiteren, meist zur Unkenntlichkeit deformierten Stilen besetzen sie eine Nische, die sie sich selbst geschaffen haben. Beide Mitglieder gehören ebenfalls zum Thorofn-Nachfolgeprojekt The Musick Wreckers und zur noch extravaganteren Bayrisch-Folklore-Industrial-Projekt Jägerblut. Mit der Unterstützung von Mad Moses erscheint nun ihr auf 500 Exemplare limitiertes Debüt-Album "The Unseen Deserts". Der Ankündigungstext sagt es deutlich: Ihre Musik geht über die üblichen Hörgewohnheiten hinaus. Diese Behauptung ist mehr als richtig, denn es braucht schon ein wenig Eingewöhnungszeit, sich an dieses absonderliche Album heranzutasten. Man muss es sozusagen lernen, "The Unseen Deserts" hören zu können. Melodien sind sporadisch eingestreut, der Gesang verzerrt, der Rhythmus gewöhnungsbedürftig.

Tonal Y Nagual kombinieren Elemente, die anfangs offensichtlich keinen Sinn ergeben. Sprachsamples mit dürftiger Schlagzeugbegleitung, dazu eine auf der Gitarre hingespielte Melodie. Dann wieder Industrial und dumpfes Oszillieren. Weiter geht es zu Powerelectronics und noch weiter zu "This Crime", einem Song, der nur vom Gesang zusammengehalten wird, während er im sich selbst überrollenden Rhythmus immer wieder in sich zusammenstürzt. Ab hier wird es aber erst richtig obskur. Ob man die nüchtern klingende Beschreibung der Freundin als Automobil (oder anders herum) nun erotisch, abgefahren, lustig und gar lächerlich findet, bleibt wohl Geschmackssache. Auch die Aussage, dass Chrom kein natürliches Element ist, haut einen nicht vom Hocker, der Song im Ganzen aber schon.

"Lide Imbalanced" wird seinem Namen gerecht und arbeitet sich durch ein ständiges Auf und Ab von Gongschlägen und hellen Melodien. Mit "Skeleton People" gibt es dann, vom Text mal abgesehen, eine 180-Grad-Wendung, fast poppig, mit melodischem Gesang und Gitarrenbegleitung. Das wiederum wird von "Saddest Day" abgelöst, einer melancholischen Abart von 80er-Wave. Natürlich sei auch nicht das Akkordeon in "World's Got The Blues" vergessen, in dem Hintergrundbegleitung und Gesang irgendwie nicht so ganz passen wollen bzw. sollen.

Hat man "The Unseen Deserts" erst einmal komplett gehört, bleibt man leicht überfahren zurück. Das kann man sich nicht bieten lassen und hört das Album ein ums andere Mal. Ein passendes Gesamtbild lässt sich zwar trotzdem nicht zusammensetzen, aber man kann sich besser auf die Musik einlassen, was dazu führt, dass man sich immer mehr dafür begeistert. Danach kommt einem vieles andere aus der Musikwelt nur noch wie billige Konservenmusik vor. Komisch!?

source: Der Medienkonverter



Neues aus dem UMB-Kollektiv: Nach (den ebenfalls hier besprochenen) Jägerblut haben am 03.04.2007 auch Tonal Y Nagual ihr Debütalbum veröffentlicht. Die beiden Mitglieder Giuseppe Tonal und Tikki Nagual (an deren Namen man gleich erkennt, was es mit dem kryptischen anmutenden Projektnamen auf sich hat) sind nicht nur durch das Label mit Jägerblut verbunden, sondern auch selbst bei Jägerblut aktiv. Die Musik, die sie unter ihrem Namen veröffentlichen, hat allerdings mit genanntem Projekt nicht viel zu tun, außer eben der Mitgliedschaft und der Tatsache, dass auch Tonal Y Nagual sehr obskure Musik zum Besten geben.

The Unseen Deserts scheppert. Das Album wirkt rau und trocken. Allerdings nicht trocken im negativen Sinne, sondern eher in einem Sinn von sperrig und kantig. Und: Es ist so gut wie gar nicht einzuordnen, so dass sich an dieser Stelle eher mit Schlagwörtern hantieren lässt anstelle die Gruppe wirklich in ein Genre einzuordnen. Industrial, Folklore, Elektronik, Noise, teilweise sogar Pop treffen auf dem Album aufeinander und sind beinah in jedem Stück in unterschiedlicher Gewichtung vorzufinden, aber eigentlich ist keiner dieser Stile zu irgendeiner Zeit wirklich ganz zu finden, so dass die musikalische Spannung auch die Musik selbst spannend macht auf diesem Album.

Wer anfangs etwas durcheinander von und überfordert mit der Musik ist, sollte weiterhören, denn das, was darauf folgt, verändert sich im stetigen Wandel, so dass beim nächsten Hördurchgang alles auf einmal deutlich mehr Sinn ergibt. Titel wie Molto Lento und We Are wirken dissonant und hektisch und lassen den Hörer sich erst einmal fragen, wo er hier gelandet ist. In der Folgezeit bilden sich Songstrukturen nach und nach heraus, teilweise wird es nahezu emotional und mit einem Stück wie Saddest Day begegnet ein Stück, das im Tonal Y Nagualschen Sinne schon als Ballade durchgehen kann. Gezupfte Saiten, ein strukturiertes Schlagzeug, das trotz aller Sprödheit grazil das Stück voran treibt und eine schon fast eingängige Stimme treffen aufeinander. Auf der anderen Seite begegnen dann aber wieder Stücke wie Life Imbalanced, die deutlicher den Industrial-Spirit mit Störgeräuschen und viel Krach hervorkehren. Zwischen diesen Stücken gibt es allerlei Obskuritäten, wie beispielsweise My Girlfriend Is A Car, dessen Musik mindestens genauso obskur wie der Titel ist.

Trotz aller Facetten – oder gerade wegen ihnen – bleibt The Unseen Deserts ein recht spezielles Album. Vom Konzept her ist es als sehr gelungen zu betrachten und musikalisch ist dieses Album eine wirkliche Innovation. Dennoch ist es ob seiner Sperrigkeit kein Album, wo man eine direkte Kaufempfehlung aussprechen könnte. Diese gilt eher denen, die von Natur aus recht spezielle Musik hören und denjenigen, die immer offen für was Neues sind. Wer gerne seine Hörgewohnheiten erweitert, ist mit diesem Album sicher bestens bedient. Was anfangs noch zusammenhanglos wirkt, ergibt bei den nächsten Hördurchgängen durchaus einen Sinn im Ohr des Rezipienten, der sich kaum in Worte fassen lässt. Die vielen Versatzstücke fügen sich zusammen, ein Ganzes entsteht. Ein sehr interessantes Album, dessen dazugehöriger Schrank noch gebaut werden muss, da Schubladen hier schlichtweg nicht reichen!

Marius Meyer

source: Alternativmusik
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